Typen des
Kaufentscheidungsverhaltens
(von: Jens Schmidt)
Das Verhalten von Käufern variiert mit dem
Typ der Kaufentscheidung, die zu treffen ist.
Je komplexer eine Kaufentscheidung und mit je
mehr Kosten sie verbunden ist, desto mehr Personen werden an de Kaufentscheidung beteiligt
sein und die endgültige Entscheidung beeinflussen. Dies gilt sowohl für den Kauf von
Konsumgütern als auch für Investitionsgüter. Die folgenden Betrachtungen beschäftigen
sich mit dem Konsumgüterbereich, das Kaufverhalten von Unternehmen wird Thema in einer
der nächsten Ausgaben von marketingundwerbung.de sein.
Es existieren vier typische Verhaltensweisen
von Konsumenten beim Kauf:
- Das komplexe Kaufentscheidungsverhalten: Dieses
Verhalten ist gekennzeichnet durch hohes persönliches Engagement, der Verbraucher
empfindet starke Unterscheide zwischen den auszuwählenden Marken.
- Das nach Abwechslung suchende Kaufverhalten bei dem
zwar auch starke Unterschiede zwischen den einzelnen Marken empfunden werden, allerdings
das persönliche Engagement niedrig bleibt.
- Das Kaufverhalten als Routineentscheidung: Hierbei
empfindet der Konsument weder wichtige oder bedeutende Unterschiede zwischen einzelnen
Marken, noch engagiert er sich persönlich sehr stark im Entscheidungsprozess.
- Das konfliktminimierende Kaufverhalten: Die
Unterschiede zwischen einzelnen Marken werden zwar nicht als stark empfunden, aber
trotzdem ist das persönliche Engagement sehr hoch.
Komplexes Kaufverhalten
Verbraucher zeigen dieses Verhalten, wenn sie
sich beim Kaufvorgang stark engagieren müssen. Dies ist vor allem der Fall, wenn das
Produkt sehr teuer und der Kauf mit Risiken behaftet ist. Auch Güter, die nur selten
gekauft werden, fallen oft unter diese Kategorie. Das komplexe Kaufverhalten tritt somit
ein, wenn der Entscheidungsprozess mit einem Gefühl starker Unsicherheit behaftet ist.
Der Käufer durchläuft dabei einen
Lernprozess:
Er sammelt Informationen über die
verschiedenen Marken und versucht die Unterschiede zu bewerten. Die verschiedenen Angebote
und Marken werden dabei von ihm als sehr stark unterschiedlich in ihren Merkmalen
empfunden.
Der Verbraucher trifft die endgültige Kaufentscheidung erst, wenn er diesen Lernprozess
abgeschlossen und Überzeugungen und abschließende Einstellungen zu den einzelnen
Produkten entwickelt hat.
Für Anbieter von derartigen Produkten
bedeutet dieser Prozess, dass sie das Verhalten ihrer Kunden während des
Prüfungsprozesses gründlich verstehen müssen. Sie müssen ihn ausreichend mit
Information versorgen und ihm den Ausstattungs- und Funktionsgrad ihrer Produkte, sowie
die Bedeutung der Ausstattungsmerkmale klar machen.
Konfliktminimierendes Kaufverhalten
Ein weiteres Phänomen, das bei dem Kauf
hochpreisiger Produkte bei Kunden oft auftritt, ist ein starkes Gefühl der Unsicherheit
nach dem Kauf, vor allem bei Produkten, bei denen der Unterschied zwischen den
verschiedenen Marken als nicht besonders stark empfunden wird.
Es kommt oft zu einer "selektiven
Wahrnehmung" von Seiten des Käufers:
Er sucht geradezu nach Information, die ihn in
seiner Kaufentscheidung bestärkt. Ziel des Marketing muss es bei diesen Produkten deshalb
sein, den Kunden mit einem begleitenden Marketing auch nach dem Kauf zu betreuen, ihn in
seiner Entscheidung zu bestärken und ihn bei der nachträglichen Überprüfung seiner
Wahl nicht alleine lassen.
Nach Abwechslung suchendes Kaufverhalten
Bei deutlich empfundenen Produktunterschieden,
jedoch geringem Interesse und Engagement für den Kauf, unternehmen Kunden oft einen
Wechsel der Marke beziehungsweise des Produktes.
Wenn der Kunde beispielsweise ab und an seine Kaffeemarke
wechselt, so hat das meistens weniger mit Unzufriedenheit mit dem bisherigen Produkt zu
tun. Der Wechsel entspringt eher dem Wunsch einmal zu variieren und etwas Neues
auszuprobieren.
Hersteller einer einer derartigen Produktkategorien können
je nach Größe und Stellung im Markt unterschiedliche Strategien verfolgen:
- Marktführer werden versuchen Ihre Positionen zu festigen
und den Kauf Ihres Produktes als unbestrittenen Routinekauf zu fördern:
"Kaffee XYZ - was denn sonst!"
Marktführer können (erfolgreicher als kleinere Mitbewerber) versuchen die
Regalpositionen in den Supermärkten zu dominieren, werden eine hohe (ständige)
Lieferbereitschaft aufbauen und ihre Werbung auf leicht erlernbare Botschaften mit einem
hohen Erinnerungswert ausrichten.
- Die Herausforderer dagegen werden versuchen, den Verbraucher
zum Wechsel zu überreden. Mittel dafür sind niedrigerer Preis, Sonderangebote,
Probepäckchen usw.
Kaufverhalten als Routineentscheidung
Routinekäufe des täglichen Bedarfs finden
mit wenig persönlichem Engagement und kaum wahrnehmbaren Produktdifferenzierungen beim
Verbraucher statt.
Nehmen wir als Beispiel Zucker. Bei diesem Produkt
engagiert sich der Kunde nicht für eine bestimmte Marke, sondern er geht in den
Supermarkt und greift ins Regal. Wird eine bestimmte Markte bevorzugt, so geschieht das
eher aus Gewohnheit, denn aus Markentreue.
Das einzige bedeutende Kriterium zur Differenzierung
scheint der Preis zu sein.
Die Aufnahme von Werbebotschaften schafft ebenfalls kaum persönliche Markenpräferenz,
sondern nur eine Markenbekanntheit, die aber nicht unbedingt zum Kauf führen muss.
Für Hersteller derartiger Produkt ist es lebensnotwendig
(gute) Regalplätze in den Supermärkten eingeräumt zu bekommen. Werbung muss sich auf
wenige Botschaften beschränken und die Wiederholung knapper Werbebotschaften enthalten.
Wichtig ist die Verwendung von Symbolen und Bildern, die einen hohen Wiedererkennungswert
schaffen. |