Kreditrating und Marketing
von
Tobias Kafurke, Unternehmensberater
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Vor dem Hintergrund der Entwicklungen in Basel, die
durch die neuen Vorschläge
der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zur Reform der Eigenkapitalstandards
(Basel II) ausgelöst wurden, sollte gerade dem Marketing durch mittelständische
Unternehmen mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden.
Dies mag auf den ersten Blick seltsam
klingen, trifft ein Kreditrating doch primär eine Aussage über die Bonität eines
Unternehmens. Im Zuge dieser Bonitätsbeurteilung wurde von Banken und Sparkassen zumeist
eine vergangenheitsbezogene Kennzahlenanalyse durchgeführt und das Ergebnis mit
branchenüblichen Durchschnittswerten verglichen.
Dass solche Bewertungsmethoden aufgrund
der stetigen Veränderungen der Finanzmärkte nicht mehr zeitgemäß sind, wurde durch die
Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) erkannt und entschieden, dass mittels
einer Neuregelung (Basel II) eine Stabilisierung der Bankensysteme notwendig ist. Um diese
Stabilität zu erreichen, hält die BIZ das sog. Rating für erforderlich, da hier neben
einer vergangenheitsbezogenen Beurteilung (eher von geringer Bedeutung) eine
zukunftsbezogene Beurteilung eines Unternehmens zum Tragen kommt.
Konkret bedeutet dies, dass Unternehmen
nachvollziehbar zukunftsfähig gemacht werden müssen, wenn sie weiterhin zu annehmbaren
Konditionen Fremdmittel - gleich auf welchem Finanzmarkt - erhalten wollen.
Die Baseler Vorschläge sehen folgende
Neuregelung der Risikoklassen vor:
Risikoklassen nach Basel II am Beispiel der Notation
von Standard & Poor's
|
Rating |
AAA bis AA -- |
A + bis A - |
BBB + bis BBB - |
BB + bis B - |
unter B - |
ohne Rating |
Ansprüche gegen |
|
|
|
|
|
|
Staaten |
0 % |
20 % |
50 % |
100 % |
150 % |
100 % |
Banken |
Option1 |
20 % |
50 % |
100 % |
100 % |
150 % |
100 % |
|
Option 2 |
20 % |
50 % |
50 % |
100 % |
150 % |
50 % |
Unternehmen |
20 % |
100 % |
100 % |
100 % |
150 % |
100 % |
Beispiel:
Die derzeit noch gültige Regelung
sieht eine pauschale Eigenkapitalunterlegung in Höhe von 8 % der Kreditsumme vor. Bei
einer Kreditsumme von DM 1 Mio. müssen demnach DM 80 000,-- durch Banken und Sparkassen
vorgehalten werden. Diese Summe steht den Banken für eigene Engagements nicht mehr zur
Verfügung. Nach den Neuregelungen müssen für ein exzellent geratetes Unternehmen aber
"nur" noch DM 16 000,-- vorgehalten (20 % von 8 %) werden.
Fazit:
Banken und Sparkassen werden also in
Zukunft ein sehr hohes Interesse daran haben mit "ausgewählten" Unternehmen
zusammenzuarbeiten.
In einem Ratingprozess werden alle
Unternehmensbereiche einer Analyse unterzogen und "Hard Skills" (z.B. das
Produkt) und "Soft Skills" (z.B. Qualifikation des Managements) bewertet und aus
der "Gesamtsumme" der Bewertungen wird die Ratingnote gebildet.
Um sich adäquat auf diesen
Ratingprozess vorzubereiten empfiehlt es sich, das Marketing und die Strategie kritisch zu
hinterfragen und ggf. neu zu formulieren oder anzupassen.
Warum gerade das Marketing und die
Strategie?
Das Marketing umfasst alle Maßnahmen
zu einer erfolgreichen Vermarktung eines Produkts oder einer Dienstleistung. Die Grundlage
des Marketing stellt die präzise Analyse aller Umweltfaktoren, (Konsumentenverhalten und
Wettbewerb) dar. Anhand der Analyseergebnisse können dann konkrete Marketingziele
formuliert werden. Darauf aufbauend werden Strategien festgelegt, mit Hilfe derer die
vereinbarten Ziele verfolgt werden.
Da die Wertschöpfung eines
Unternehmens in erster Linie durch den Produktabsatz generiert wird hat die
Marketingstrategie natürlich erheblichen Einfluss auf alle relevanten
Unternehmensbereiche, d.h. auch diese werden im Zuge der Gestaltung einer
Marketingkonzeption durchleuchtet, denn schließlich muss ein Unternehmen zur
Zielerreichung alle erforderlichen Ressourcen bereitstellen können.
Die Ergebnisse, Strategien und
Konzeptionen werden dann in einem Geschäftskonzept niedergelegt und mit allen notwendigen
Daten untermauert. Anhand dieses Konzepts verbunden mit einer Betriebsbegehung durch den
Entscheider der Bank oder Sparkasse kann die Zukunftsfähigkeit beurteilt werden und bei
positivem Gesamteindruck ein gutes Ratingergebnis erzielt werden.
Bislang wurde das Marketing mit all
seinen Facetten gerade von mittelständischen Unternehmen oftmals vernachlässigt. Dies
wird und muss sich für die nächste Zukunft ändern, wenn ein Fortbestand der
Unternehmung gesichert und erhalten werden soll. Da Marketingstrategien und
Umsetzungskonzeptionen nicht von "heute auf morgen" funktionieren, empfiehlt es
sich jetzt damit zu beginnen - denn:
Ab
2005 werden diese Neuregelungen des Baseler Akkord sehr wahrscheinlich offiziell greifen
und Ratingprozesse konsequent zur Anwendung kommen. Fachkreise sprechen davon, dass dies
schon ab 2003 der Fall sein wird. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass dann Instrumente
zum Einsatz kommen werden, die den Vorgaben aus Basel und Brüssel Rechnung tragen werden
- andere Varianten des Ratings werden schon seit einigen Jahren durch Banken und
Sparkassen praktiziert, die sich aber an Vorgaben des Kreditwesengesetzes (KWG)
orientieren und bestimmte Ermessensspielräume ermöglichen. Diese Ermessenspielräume
werden aber durch den Baseler Akkord in Zukunft stark eingeschränkt werden.
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