Das Franchising
Als Vater des modernen Franchising gilt der
Amerikaner Ray Kroc:
Neben seiner Idee; einem Stück Hackfleisch
zwischen zwei Brötchenhälften - bot er 1955 gleichzeitig ein fertiges Restaurant-Design,
professionelle Werbung und umfangreiche Schulung an.
Der Name seiner Firma: McDonald's, heute mit
über 14.000 Betrieben weltweit führend im Fast-Food-Bereich.
Den Verkauf der Hamburger übernimmt der
Franchise-Nehmer in eigenen Namen und auf eigene Rechnung, der Franchise-Geber liefert das
nötige Know-how und die Qualitäts-Standards.
Die Stärke des Franchising beruht auf
einer sinnvollen Arbeitsteilung zwischen einer Franchise-Zentrale und den selbständigen
Franchise-Nehmern vor Ort, oder anders ausgedrückt:
Das System tritt am Markt einheitlich auf
und wird durch das arbeitsteilige Leistungsprogramm der Systempartner sowie durch ein
Weisungs- und Kontrollsystem eines systemkonformen Verhaltens geprägt.
Der Deutsche Franchise-Verband hat Franchising
deshalb als vertikal-kooperativ organisiertes Absatzsystem rechtlich selbständiger
Unternehmen auf der Basis eines vertraglichen Dauerschuldverhältnisses definiert.
Formen
des Franchising
Unterschieden wird zwischen
Vertriebsfranchising
der Franchise-Nehmer verkauft bestimmte Waren in seinem Geschäft, das den Namen des
Franchise-Gebers trägt, z.B. Baumärkte
Dienstleistungsfranchising
der Franchise-Nehmer bietet Dienstleistungen unter der Geschäftsbezeichnung des
Gebers an und verpflichtet sich, bestimmte Richtlinien und Vorgaben einzuhalten: z.B.
Hotelkette, Musikschule
Produktions-Franchising
nach Anweisung des Franchise-Gebers stellt der Nehmer eine bestimmte Ware selbst her;
er verkauft die Produkte unter dem Warenzeichen des Franchise-Gebers: z.B.
Getränkeabfüllbetrieb
Das
Leistungspaket in der Praxis
Die Übertragbarkeit eines Systems und die
Fähigkeit zur Vermittlung eines systemspezifischen Know-hows besitzen einen eigenen
Marktwert, der als Leistungspaket dem Franchise-Nehmer zur Verfügung gestellt wird.
Dieses Leistungspaket wird in der Regel
folgende Bestandteile beinhalten:
Die Praxis zeigt jedoch, dass nicht alle
Franchise-Geber diese Anforderungen erfüllen.
Die 1996 im Buchhandel erschienene
"Franchise-CD 1996/97" (ISBN 3-980-4727-1-X) zeigt, dass
nur rund 69 Prozent der Franchise-Geber ein
detailliertes Systemhandbuch ihren Partnern übergeben
nur rund 60 Prozent der Franchise-Geber ihren
Partnern erhöhte Sicherheit durch Standortanalysen bieten,
nur 43 bzw. 44 Prozent die Standortsuche
und Einrichtungsplanung von Franchise-Betrieben unterstützen,
rund 74 Prozent der Franchise-Geber das
Marketing ihrer Franchise-Nehmer konzeptionell unterstützen,
rund 64 Prozent überregionale
Marketingmaßnahmen durchführen,
nur rund 36 Prozent der Franchise-Geber ihren
Partnern Marktstudien und Statistiken zur Verfügung stellen.
Gespräche mit Franchise-Nehmern zeigen,
dass sich auch heutzutage an dieser Praxis wenig geändert hat. Es ist außerdem zu
beobachten, dass Systeme auf dem Markt operieren, die nur wenig geeignet sind zum einen
eine tragfähige Vollexistenz zu gewährleisten und zum anderen dem Franchise-Nehmer fast
keine Unterstützung anbieten - jedoch hohe Lizenzgebühren "kassieren".
Der Deutsche Franchise-Verband betont, dass
nur dasjenige Franchise-System "rund" läuft, in welchem die Zentrale und der
Franchise-Nehmer sich bestätigt fühlen.
Der Verband hat ein Merkblatt erarbeitet, das
über "vorvertragliche Aufklärungspflichten" informiert und damit einen neuen
Standard in dem Interessenausgleich zwischen Gebern und Nehmern setzt.
Hintergrund dieser Richtlinie ist das
wachsende Bedürfnis von angehenden Franchise-Nehmern, bereits vor Vertragsabschluss die
wirtschaftlichen Gegebenheiten ihres zukünftigen System-Gebers eingehend kennenzulernen.
Sogleich können sich Franchise-Geber über die sie betreffenden Auskunftsansprüche
frühzeitig informieren und folglich gezielt über ihre System-Idee berichten.
Die
Einstiegsgebühren
Franchise-Partnerschaften beruhen auf Leistung
und Gegenleistung.
Und jede Leistung hat ihren Preis.
Nach einer Studie des Deutschen
Franchise-Verbandes (Angaben noch in DM) bewegt sich die Höhe der Einstiegsgebühren bei
mehr als der Hälfte der befragten Franchise-Geber zwischen etwa 10.000,-- DM und
30.000,-- DM.
Rund 19 Prozent der Systeme verlangen einen
höheren Betrag, im Einzelfall bis zu 150.000,-- DM.
Immerhin verzichten 14 Prozent ganz auf eine
Einstiegsgebühr.
Zusätzliche laufende Gebühren erheben die
Franchise-Geber in unterschiedlicher Form: Entweder als festgelegten monatlichen Betrag
oder als prozentuale Beteiligung am Netto- oder Bruttoumsatz.
Bei den Fix-Zahlungen dominieren Beträge
zwischen etwa 100,-- DM und 1.000,-- DM.
Bei den Umsatzbeteiligungen liegt die
Forderung meistens bei 4 bis 5 und bei 2 bis 3 Prozent vom Nettoumsatz.
37 Prozent der befragten Franchise-Geber
verzichten ganz auf laufende Gebühren.
Da die Investitionssumme bei Neugründung
eines Franchise-Betriebes bis maximal 300.000,-- DM betragen kann, wird von dem neuen
Franchise-Nehmer auch eine entsprechende Eigenkapitalbasis erwartet: Bis zu 50.000,-- DM
erwartet das Gros der befragten Franchise-Geber, ein Teil verlangt sogar den Nachweis von
bis zu 100.000,-- DM.
Der
Franchise-Vertrag
Da es weder ein spezielles Franchise-Gesetz
noch allgemein gültige Musterverträge gibt, ist jeder Franchise-Vertrag ein
"juristischer Maßanzug" für das entsprechende Franchise-System. Er sollte
deshalb immer von einem Rechtsanwalt, der sich mit dem Thema Franchising auskennt,
überprüft werden.
Was
ist Franchising jetzt eigentlich?
Franchising bildet den Rahmen für eine
partnerschaftliche Beziehung zwischen Franchise-Geber und Franchise-Nehmer auf der Basis
eines Franchise-Vertrages.
Der Franchise-Nehmer erhält ein am Markt
erprobtes Geschäftspaket, das aus einem Nutzungsrecht an Schutzrechten, einem
spezifischen Know-how in Beschaffungs- und Absatzfragen sowie aus der Verpflichtung des
Franchise-Gebers besteht, das Franchise-Konzept ständig weiterzuentwickeln.
Die Gegenleistung des Franchise-Nehmers
besteht meist in der Zahlung einer Franchise-Gebühr und in der Verpflichtung, den
regionalen Markt zu bearbeiten. Das Franchising verbindet damit die Vorteile eines
Großunternehmens mit denen eines kleinen oder mittelständischen Betriebs, ohne deren
jeweilige Nachteile in Kauf nehmen zu müssen. Durch die arbeitsteilige Struktur übt
jeder Partner auf seiner Ebene diejenige Funktion aus, die ihm aufgrund der Marktposition,
seiner persönlichen Qualifikation und seiner Mittel am besten entspricht.
Die
Grenzen zwischen Franchising und Arbeitsverhältnis
Der Franchise-Nehmer ist ein rechtlich
selbständiger Unternehmer, der die Produkte oder Leistungen des Franchise-Gebers in
eigenem Namen und auf eigene Rechnung anbietet. Dies muss auch im Vertrag entsprechend
dokumentiert sein. Alle Vereinbarungen müssen auf Freiwilligkeit beruhen. So sollte dem
Franchise-Nehmer ebenso das Recht auf den Vertrieb von Diversifikationsprodukten wie auch
das Recht, seinen Geschäftsbetrieb im vorgegebenen Rahmen selbst zu organisieren und
seine Arbeitszeit selbständig festzulegen, zugestanden werden.
Die
Vorteile für den Franchise-Nehmer
Ein Franchise-System ist durch das
einheitliche Auftreten am Markt bekannt. Die "Marke" ist somit schon
eingeführt. Außerdem behalten beide Partner ihre Selbständigkeit - je nach
Geschäftskonzept, das i. d. R. in der Präambel des Vertrags niedergelegt ist - mit
gewissen Einschränkungen.
Mit folgenden Dienstleistungen kann der
Franchise-Geber zusätzlich den Franchise-Nehmer unterstützen:
Hilfe bei der Standort-Suche
Schulungsmaßnahmen
zentraler Einkauf
zentrale Buchführung
zentrale Planungs- und Kontrollsysteme
einheitliche Ladengestaltung
preisgünstigere Gemeinschaftswerbung
Unterstützung bei Markt- und
Wettbewerbsanalysen
evtl. Finanzierungsberatung
Die
Nachteile für den Franchise-Nehmer
Da das Franchise-System auch Nachteile hat,
sollte der Interessierte folgende Punkte in Zusammenarbeit mit der Familie abklären, um
herauszufinden, ob man ein "Franchise-Typ" ist oder nicht.
Je mehr Fragen mit "ja" beantwortet
werden, desto geeigneter ist man als Franchise-Nehmer.
Ist
wirtschaftlicher Erfolg wichtiger als Unabhängigkeit?
Kann damit gelebt
werden, dass man in der Werbung hinter den Namen der Franchise-Kette tritt?
Ist man bereit,
bestehende Standards und gelegentlich auch Entscheidungen des Franchise-Gebers, die einem
nicht gefallen, zu akzeptieren?
Können
Fachkompetenz und Erfahrungen anderer anerkannt werden?
Kann man gut mit
gleichberechtigten Partnern zusammenarbeiten und die individuellen Interessen hinter die
Interessen der Gruppe stellen?
Besteht die
Bereitschaft Erfahrungen an andere weiterzugeben und betriebswirtschaftliche Ergebnisse
anderen anzuvertrauen?
Hilfestellung kann man auch von folgendem
Verband erhalten:
Deutscher-Franchise-Nehmer-Verband
Celsiusstraße 43
53125 Bonn
Tel:
02 28/25 03 00
Fax: 02
28/25 05 86
Fazit
Franchising bietet Existenzgründern die
Möglichkeit, sich in den Schutz eines stärkeren Partners zu stellen und unter Verwendung
eines schlüsselfertigen Konzepts den Einstieg in die Selbständigkeit zu wagen.
Er kann von den Erfahrungen des
Franchise-Partners profitieren und sich teure eigene Erfahrungen sparen. Während bei den
"klassischen" Existenzgründern viele in den ersten drei Jahren scheitern,
müssen weniger als 7 Prozent der Franchisenehmer pro Jahr aufgeben.
Beachten Sie auch das Special zum Franchising
in der "Infothek". |