Liquiditätsplanung
Liquidität ist die Fähigkeit eines Unternehmens, seine Verbindlichkeiten
uneingeschränkt erfüllen zu können, also "flüssig" zu sein.
Grundlagen zur Liquiditätsermittlung sind die zu bestimmten Terminen erwarteten
Ein- und Auszahlungen.
Diese müssen zeitlich genau koordiniert werden.
Aufgenommene Kredite und Forderungen müssen beispielsweise fristgerecht zurückgezahlt
werden können. Überschüssige liquide Mittel sollten rentabel angelegt werden.
Die Liquiditätsplanung hat die Aufgabe, Liquidität, Rentabilität und
Sicherheit in ihrer Wechselwirkung optimal aufeinander abzustimmen.
Ihr kommt eine wesentliche Funktion im Unternehmen zu, da
Illiquidität Insolvenz bedeuten kann.
Die Liquiditätsgrade
Für Außenstehende kann die Liquidität eines Unternehmens anhand von Kennzahlen
errechnet werden. Die notwendigen Informationen werden dem Jahresabschluss entnommen.
Die anhand der folgenden Formeln errechneten Kennzahlen drücken das Verhältnis
von Zahlungsverpflichtungen zu vorhandenen flüssigen Mitteln aus. Sie sind allerdings
stichtagsbezogen und sagen nichts über die künftige Liquidität des Unternehmens aus.
Daher sind sie als Planungsgrundlage für die Zukunft nicht geeignet.
Für die Berechnung aller drei Liquiditätsgrade gilt:
Je höher der Wert der jeweiligen Kennzahl, desto günstiger die
Einschätzung der Liquidität des Unternehmens.
Liquidität ersten Grades: Bar- oder Kassenliquidität
Flüssige Mittel
(Kasse/Bankguthaben) / kurzfristige Verbindlichkeiten (Lieferanten/Bank)
Das Ergebnis sollte aus betriebswirtschaftlicher Sicht nicht unter 0,2, also 20 %, liegen.
Liquidität zweiten Grades: Geldliquidität
flüssige Mittel und
kurzfristige Forderungen / kurzfristige Verbindlichkeiten
Für externe Bilanzanalytiker und für die innerbetriebliche
Liquiditätssteuerung ist dies die wichtigste Kennzahl.
Das Ergebnis sollte nicht unter 1,0, also 100 %, liegen.
Liquidität dritten Grades: Liquidität des Umlaufvermögens
gesamtes Umlaufvermögen /
kurzfristige Verbindlichkeiten
Diese Kennzahl entspricht weitgehend derjenigen des working capital. Sie
sollte nicht unter 2,0, also 200 %, sinken.
Achtung:
Experten beurteilen die anhand der Kennzahlenberechnung vorgenommene
Liquiditätseinschätzung sehr skeptisch.
Haupteinwände sind:
In der Berechnung wird von einer Fristenkongruenz zwischen Mittelherkunft und
Mittelverwendung ausgegangen. Diese findet sich in der Praxis sehr selten. Die einzelnen
Liquidations- und Fälligkeitszeitpunkte werden nicht berücksichtigt.
Bestimmte Zahlungsverpflichtungen, die von Bestellungen, fälligen Löhnen,
Mieten oder Steuernachzahlungen herrühren, fließen nicht in die Kennzahlenberechnung
ein, da sie nicht aus der Bilanz ersichtlich sind.
Finanz- und Liquiditätsplan
Aufgrund der angesprochenen Mängel ist die Kennzahlenberechnung für den
internen Gebrauch eine unbefriedigende Methode. Das Unternehmen selbst muss seine
langfristige Liquiditätsstruktur mit Hilfe eines Finanz- bzw. Liquiditätsplans
ermitteln.
Dieser Plan ist ein wesentliches Instrument der Liquiditätssteuerung. Er hat die
Funktion, periodengerecht (täglich, wöchentlich, monatlich) drohende Illiquidität oder
Überschüsse rechtzeitig aufzudecken und die Zahlungsströme nach den Kriterien von
Rentabilität und Liquidität zu lenken. Zahlungseingänge und -verpflichtungen müssen
termingerecht in Einklang gebracht werden.
Grundlage des Finanzplans sind die Einnahmen und Ausgaben sowie die Banksalden
und Kredite.
Der Finanzplan muss
zukunftsbezogen,
inhaltlich präzise (Einnahmen
und Ausgaben müssen lückenlos aufgelistet werden),
zeitlich präzise (Einnahmen
und Ausgaben müssen tagesgenau ausgewiesen werden).
sein.
Liquiditätsüberschüsse sollten in jedem Fall gewinnbringend angelegt werden,
z.B. in Form von Festgeld oder täglich liquidierbaren Börsenwerten.
Finanzplan-Aufstellung
Währungseinnahmen nach
Fälligkeiten
Der Liquiditätsplan besteht aus einem Einnahme- und einem Ausgabeplan, die sich
auf eine festgelegte Periode beziehen (beispielsweise vier Wochen). Für jede Woche werden
die erwarteten Einnahmen und Ausgaben aufgelistet.
Unter den Ausgaben werden eingetragen:
Personalkosten,
Kreditoren und Akzepte,
Zinsen,
Steuern,
sonstige Ausgänge.
Der Einnahmeplan enthält aufgeschlüsselt:
Umsätze,
sonstige Erträge,
sonstige Einnahmen.
Im Fall von Einnahmen und Ausgaben in anderen Währungen muss ein zusätzlicher
Währungsliquiditätsplan erstellt werden.
In diesem sollten die Einnahmen möglichst termingenau mit den Ausgaben in der
gleichen Währung abgestimmt werden.
Beispiel für einen Liquiditätsplan
Liquiditätsplan |
Januar |
Februar |
März |
Sollwert in EUR |
Istwert in EUR |
Sollwert in EUR |
Istwert in EUR |
Sollwert in EUR |
Istwert in EUR |
1. Bestand an flüssigen Mitteln (Kasse, Bank, freie Kredite) |
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2. Zahlungseingänge (Forderungen, Barverkäufe, Anzahlungen)
(Überschuss Vormonat) |
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= Summe Einnahmen |
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3. Ausgaben |
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Lohn, Gehalt, soziale Aufwendungen |
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Zahlung an Lieferanten |
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Bareinkäufe |
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Einlösung von Wechseln |
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Tilgung von Krediten |
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Zinsen |
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Miete, Nebenkosten |
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Versicherungen |
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Steuern |
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sonstige Ausgaben |
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Privatentnahmen (Fehlbetrag Vormonat) |
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= Summe Ausgaben |
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4. Ergebnis |
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Überschuss (+) |
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Fehlbetrag (-) |
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