Herstellungskosten

Bewertungsmaßstab in der
Handels- und Steuerbilanz für selbsterstellte Vermögensgegenstände. Gem. § 255 II HGB
gehen in die Herstellungskosten die Aufwendungen ein, die durch den Verbrauch von Gütern
und die Inanspruchnahme von Diensten für die Herstellung eines Vermögensgegenstandes,
seine Erweiterung oder für eine über seinen ursprünglichen Zustand hinausgehende
wesentliche Verbesserung entstehen. Kalkulatorische Kosten, die nicht deckungsgleich mit
Aufwendungen sind, dürfen nicht berücksichtigt werden, im Unterschied zu den
Herstellkosten in der Kostenrechnung. In der Handelsbilanz besteht (§ 255 HGB)
Aktivierungspflicht für Material- und Fertigungseinzelkosten sowie Sondereinzelkosten der
Fertigung, während für Material- und Fertigungsgemeinkosten (einschließlich
Abschreibungen) sowie allgemeine Verwaltungskosten ein Aktivierungswahlrecht eingeräumt
wird. Ein Aktivierungsverbot besteht für Vertriebskosten. In der Steuerbilanz erfolgt
gem. § 6 I EStG zwar ebenfalls der Ansatz zu Herstellungskosten, jedoch ist der
einzubeziehende Umfang der Kosten in Abschnitt 33 EStR insoweit abweichend vom HGB
definiert, als für Material- und Fertigungsgemeinkosten kein Aktivierungswahlrecht,
sondern Aktivierungspflicht besteht. Fremdkapitalzinsen sind sowohl in der Handels- als
auch in der Steuerbilanz grundsätzlich nicht aktivierungsfähig, nur in bestimmten
Ausnahmefällen (herstellungsbezogene Fremdkapitalaufnahme) darf eine Aktivierung
erfolgen, wobei in der StB die Möglichkeiten restriktiver sind.
Nach US-GAAP und IAS ist der Umfang der in die Herstellungskosten einzubeziehenden
Aufwendungen eindeutiger definiert, d. h. es bestehen grundsätzlich keine Wahlrechte,
sondern nur Einbeziehungspflichten oder -verbote. Damit sind die Möglichkeiten zur
bilanzpolitischen Gestaltung eingeschränkt. Lediglich für Fremdkapitalzinsen sieht IAS
bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen (Qualifying Asset) ein Aktivierungswahlrecht vor,
nach US-GAAP besteht in diesem Fall Aktivierungspflicht.

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